Freitag, 2. Juni 2017

mensch- und umweltverträgliches waschmittel schlicht und simpel selber machen.

Ich gehöre zu den Menschen, die nicht alles hinnehmen, nach dem Warum fragen, nachdenken und dann eine Lösung suchen. Das gilt generell, allgemein und auch für Waschpulver. Davon verbraucht ein durchschnittlicher Mensch eine große Menge. Die muss hergestellt, transportiert, bezahlt und nach Hause geschleppt, um verbraucht zu werden und in der Mülltonne zu landen. Unterwegs gelangt es in die Wäsche, auf die Müllkippe (wo die Verpackung meist verbrannt wird), ins Wasser, in die Kläranlage und wieder zurück zu uns, auf den Acker, in die Wiesen, Seen und Flüsse. Ist halt alles ein Kreislauf. 

Verpackung & Kosten 

Mehr oder weniger sinnvoll ist die Verpackung von Waschmitteln: Üblicherweise handelt es sich um Plastikflaschen, Pappkartons oder Plastiktüten in verschiedenen Größen. Diese werden aus Rohstoffen hergestellt, wobei Energie verbraucht wird, um danach (mit Kraftstoffverbrauch und CO2) in die Geschäfte gebracht zu werden, wo wir sie dann kaufen, um sie ins Auto zu laden, zu Hause verbrauchen und, wenn leer, in den Müll werfen. 

Nachfüllbar? Ich kenne keine Möglichkeit und kein Angebot. Ich möchte aber auch nicht so viel mit dem Auto fahren, die Straßen und Parkplätze sind sowieso schon so voll und die Abgase, nee, lass mal. Und mal ehrlich, wer von Euch geht zu Fuß zum nächsten Supermarkt, zur Drogerie oder fährt mit dem Fahrrad? 

Waschpulver wiegt auch was, das passt in einen Rucksack, aber ins Handtäschchen nun nicht gerade. Günstig ist so ein Waschmittel auch nicht. Das geht ins Geld. Bio-Waschmittel sind sogar noch teurer. Ob die Preise gerechtfertigt sind? Möglich, schließlich hängt da ganz viel dran und das global. Waschmittel werden weltweit hergestellt, international rumgefahren und was da alles drin ist ... 

Handelsübliches, ganz gewöhnliches Waschmittel 

Die meisten Waschmittel enthalten ungemein viele Zusatzstoffe, die Wäsche, Maschine und Mensch gar nicht brauchen. Sogenannte waschaktive Substanzen, verschiedene Tenside, Alkalien, Bleichmittel, optische Aufheller, Schaumregulatoren, Proteasen, Inhibitoren, Stabilisatoren und Enzyme. Dazu kommen Duftstoffe und Parfüme, die uns das Waschen einfacher und schöner machen (sollen) und die Wäsche sauberer, weicher, duftender, fluffiger, strahlender usw. Egal ob flüssig, als Pulver oder Gel – Waschmittel enthält eine Menge chemischer Stoffe, die alle wieder zu uns zurückkommen. 

Einige, eigentlich sogar recht viele dieser Inhaltsstoffe sind biologisch sehr schwer abbaubar und lagern sich in der Umwelt, in unserer Luft, unserem Wasser, den Böden, Lebensmitteln und in uns ab. Das Klärwerk schafft es nicht, beispielsweise optische Aufheller, Phosphate oder Vergrauuungsinhibitoren abzubauen. Das gilt auch für viele Duftstoffe, z. B. einige ätherische Öle, die sich nachweislich in Fischen wiederfinden. 

Ganz übel sind übrigens Flüssigwaschmittel und sonstige Waschmittel (Bleiche, Weichspüler etc.), die in Plastikflaschen angeboten werden. Allein die Verpackung produziert ungemein viel unnötigen Müll und die Inhaltsstoffe belasten das Abwasser sogar noch stärker, als es Waschpulver inklusive Bleichmittel und sonstigen Zusatzstoffen hinkriegt. Dabei reicht stets eine kleine Menge, um die Wäsche sauber zu machen, und die Temperatur hilft auch. 

Bio-Waschmittel 

Ja, dann kaufen wir halt Biowaschmittel. Schließlich gibt es die mittlerweile fast überall als Waschpulver, Kompaktwaschmittel, Flüssigwaschmittel, Tabs oder Gel. Pustekuchen, denn der Zusatz Bio bedeutet nicht automatisch umweltfreundlich. Es gibt keine festen Regeln, Vorschriften und Gesetze, die vorgeben, was Ökowaschmittel und Biowaschmittel beinhalten sollen, können oder dürfen. Steht Bio drauf, sagt das lediglich etwas über die Herkunft der Inhalts- und Rohstoffe aus. Aber nichts über die Produktionsbedingungen, Sozialverträglichkeit, Verpackung und schon gar nicht über den Transport. 

Grundsätzlich enthalten Bio-Waschmittel meist weniger Duftstoffe, weniger Farbstoffe, weniger Aufheller, dafür aber nachwachsende Rohstoffe. Da ist es aber wie bei den Waschnüssen (siehe nächster Absatz): Es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe hergestellt werden. Vor ein paar Jahren gab es zum Beispiel einen Boom mit Orangenschalenöl, das unter hohem Wasserverbrauch und mit Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln hergestellt wurde – und giftig für einige Wasserorganismen ist. Die Abbaubarkeit von Öl, das aus Orangenschalen hergestellt wird, ist einfach nicht gegeben. 

Also, gilt auch für Bio- und Ökowaschmittel: Die Dosis macht das Gift. Schließlich muss auch das hergestellt, verpackt, transportiert und aus dem Abwasser entfernt werden. Daher auch damit sparsam umgehen und vernünftig dosieren. 

Waschnüsse & Konsorten 

Waschnüsse sind Nüsse; sie werden daher geknackt, in einen Beutel gesteckt und in die Waschtrommel gegeben. Die Schalen sind waschaktiv, entfernen Flecken aber nicht unbedingt so gut. Die Nussschalen werden blass, wenn sie verbraucht sind und können auf den Kompost; so einer vorhanden ist. Klingt gut, denken viele, und kaufen Waschnüsse. Nicht ganz, denn die Waschnuss wird in erster Linie in Asien angebaut und durch die erhöhte Nachfrage werden Waschnüsse übertrieben viel angebaut, um auch ein Stück vom Kuchen zu bekommen und die eigene Existenz zu sichern. Das ist nicht verwerflich, aber es entstehen Monokulturen, Überbewirtschaftung unter Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden etc. und ganze Gebiete werden gerodet. In Europa angebaute Waschnüsse gibt es auch, sie sind allerdings teurer und in kleineren Mengen erhältlich. Also, auch keine Lösung. 

Alternativen mit mehr oder weniger guter Erhältlichkeit, lokaler Herkunft, akzeptabler Preisgestaltung und ausreichender Waschwirkung sind Kastanien oder Rosskastanien, Seifenkraut, Ringelblumen, Efeu, Primeln, Ahorn, Seifenbohnenbäume oder auch Rüben. 

Das Baukastensystem ist eine gute Idee, mir aber mit zu viel Aufwand verbunden. Ich mag nicht jedes Mal entscheiden und dosieren, wie viel Waschpulver, Bleiche, Fleckensalz und Wasserenthärter ich verwenden will, muss und kann. 

Selbstgemachtes Waschmittel 

In unserem Haushalt brauchen wir keine keimfreie Wäsche, wir haben zum Glück keine Allergien, Haustiere und hartnäckige Flecken sind auch äußerst selten. Wir tragen fast ausschließlich Kleidung aus Baumwolle, Leinen und Wolle. Aus diesem Grund mache ich unser Waschmittel selbst: Zweimal im Jahr hole ich den großen Kochtopf raus, raspel Seife, werfe ein paar Löffel Soda rein, schütte Wasser dazu, koche auf, lasse stehen, koche auf, lasse stehen, koche auf, fülle ab und fertig ist das gebrauchstaugliche Waschmittel. Es wäscht prima, macht saubere Wäsche und ist für fast alles zu gebrauchen. 

Inhaltsstoffe des hauseigenen Waschmittels

Soda ist ein Allzweckmittel, das haben wir immer da. Eine Tüte wiegt nicht viel, reicht lange und kostet nicht viel. Angebrannte Töpfe werden mit Soda schnell wieder sauber, zum Abwaschen von Brettchen, Spülen etc. ist es eine gute Sache. Weitere Tipps findet Ihr hier

Seife, gerne Savon der Marseille, oder Seife aus dem Bioladen oder Bioseife aus der Drogerie kostet ebenfalls nicht die Welt, hat kaum Gewicht und reicht für viel Waschmittel. Sie ist nicht komplett biologisch abbaubar, aber besser als Tenside, sonstige chemische Stoffe und herkömmliches Waschmittel allemal. Im selbstgemachten Waschmittel ist nicht viel Seife enthalten, daher geht das halbwegs. Ich tröpfel vorm Abfüllen gerne ein bisschen ätherisches Öl (Lavendel, Bergamotte usw.) als Duftstoff rein. Das ist nicht ganz umweltfreundlich, aber immerhin viel weniger, als Ihr in handelsüblichen Waschpulvern findet. Aber das ist Geschmacksache. 

Einen Nachteil hat selbstgemachtes Waschpulver allerdings auch: Wolle und Seide könnt Ihr damit nicht waschen. Die Seife zerstört die Fasern und verfilzt sie. Über das gehörte Vergrauen von weißer Wäsche kann ich nichts sagen, wir haben keine weiße, dafür schwarze und graue Kleidung, Handtücher, Bettwäsche, Geschirrhandtücher … 

Rezept und Anleitung zum Selbermachen von Waschmittel

Im Internet lassen sich unzählige Rezepte für selbstgemachtes Waschpulver finden. Ich weiß nicht mehr, woher ich meins habe, aber es funktioniert und heraus kommt ein dickflüssiges Waschmittel. (Demnächst werde ich das hier nehmen, weil es noch einfacher erscheint.) 

Zutaten: 

30 g Seife 
4 Esslöffel oder 75 g Soda 
3 x 700 ml Wasserenthärter 
1 großer Topf (4 bis 5 Liter sind empfehlenswert) 

Machen: 

Ich raspel die Seife mit dem Gurkenhobel oder der Kartoffelreibe. Nehmt keine zu feine Reibe, die verklebt gerne. Die Seife wiege ich ab, sonst wird das Mittel zu fest und kann schlecht dosiert werden. 

Die Seife kommt in einem Topf, das Soda dazu, wird mit 700 ml kochendem Wasser übergossen und umgerührt, bis sich alles gelöst hat. Dann eine Stunde stehenlassen. 

Nun kommen wieder 700 ml Wasser dazu. Ich nehme den Wasserkocher, stelle den Topf auf die Waage und koche das Ganze einmal auf. Auf dem Herd, versteht sich. (Viele meinen, es schäumt beim Aufkochen, hat es bei mir aber noch nie.) 

Der Deckel kommt auf den Topf und ich lasse alles ca. 24 Stunden stehen, bevor ich wieder 700 ml Wasser dazu gebe und alles noch einmal aufkochen lasse. Es dauert einige Zeit (ein paar Stunden), bis das Waschmittel abgekühlt ist. Ist dies geschehen, gebe ich 5 bis 10 Tropfen ätherisches Bio-Öl dazu, schnappe mir einen Trichter, den ich in Flaschen und Gläser stecke und fülle um. 

Tada, fertig und ab dafür. Ich habe mal durchgerechnet, mehr als 2 Liter Waschmittel kosten inklusive Strom- und Wasserkosten etwa einen Euro. Weil die Waschkraft aber richtig gut ist, kommen nur 1 bis 2 Esslöffel Waschmittel pro Waschgang in die Maschine, wie gesagt, ich produziere etwa zweimal jährlich. 

Kleiner Tipp: Vor dem Einfüllen in die Waschmaschine die Flasche oder das Glas einmal kurz durchschütteln und die Waschmaschine nicht proppenvoll packen, sonst können ein paar helle Flecken (vom Soda?) zurückbleiben. Die kann man schnell ausbürsten, muss aber auch nicht sein. 

Foto: Barbara Piontek, Waschmittel: doppelte Menge des Rezepts

Und sonst 

Wenn Ihr Waschmittel nicht selber machen wollt, achtet immer auf die Dosierung. Mit der übertreiben es die meisten Menschen. Je sparsamer und sinnvoller Waschmittel gebraucht werden, desto größer die positive Auswirkung auf die Ökobilanz. 

Und falls Ihr zu faul seid, um selbstgemachtes Waschmittel herzustellen, versucht es wenigstens mit konzentrierten oder hochkonzentrierten Waschmitteln. Kompaktwaschmittel und Superkompaktate könnt Ihr ebenfalls niedrig dosieren, so gelangt weniger in die Umwelt, die Herstellung braucht weniger Energieaufwand, weniger Verpackungsmaterial wird ver- und gebraucht, dementsprechend umweltverträglicher ist der Transport, Ihr tragt nicht so schwer und produziert nicht ganz so viel Müll. Das heißt, Ihr, die Verbraucher, habt es in der Hand! 

Besser ist aber nicht gleich gut, is klar, ne?

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